|
11. April 2010 Die „Zentrale“ sorgte für Licht
Wenn der Heimat- und Verkehrsverein Hohenhausen zum Hausbesuch einlädt, dann ist damit stets ein kurzweiliger Abstecher in die Geschichte des Ortes verbunden. Warum das Gebäude In den Ellern 1 heute noch im Volksmund „Zentrale“ genannt wird, erläuterte Iris Schön den wetterfesten Hausbesuchern vor Ort. 1909 habe Hermann Tracht an dieser Stelle „die Zentrale“ gebaut, um den lippischen Norden mit elektrischem Licht zu versorgen, erinnerte sie an „einen Mann mit Plänen und einem großen Unternehmergeist, der zu Unrecht in Vergessenheit geraten sei“.
Nachdem in Hohenhausen die Petroleumlampen ausgedient hatten, wollten auch die umliegenden Ortschaften vom Fortschritt profitieren. Deshalb gründete Tracht 1911 die „Nordlippische Überlandzentrale“. Brosen, Rafeld, Hellberg, Niedermeien und Westorf hätten zuerst ihren Beitritt angemeldet, ihnen seien schnell andere Dörfer gefolgt, berichtete Schön. Hermann Tracht und sein Bruder August bauten ein großes Maschinenhaus und schafften eine Lokomobile mit 150 PS an. Der Stolz des Ortes war aber der 47 Meter hohe Schornstein der Zentrale, der damals als Symbol für den wirtschaftlichen Aufschwung angesehen wurde. Trachts Arbeiter und Monteure stellten in den umliegenden Ortschaften noch Masten auf, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Statt mit der herbeigesehnten Kalletalbahn, mussten die Kohlen für die Lokomobile mit dem Pferdewagen aus Vlotho herangeschafft werden, ein mühsamer und teurer Transport. Außerdem kam es im Krieg zu Kohlenknappheit, so dass oft tagelang kein Strom da war. „Hermann Tracht und die angeschlossenen Ortschaften hatten Glück im Unglück“, schloss Schön ihren Vortrag. 1919 habe die Lippische Regierung das gesamte Netz der „Nordlippischen Überlandzentrale“ übernommen und es ein Jahr später an das neu gegründete E-Werk „Wesertal“ in Hameln übertragen.
 |
Gut beschirmt riskierten die Hausbesucher einen Blick auf eine alte Aufnahme der 1909 erbauten Zentrale.
|